Rekord: der wärmste April!
30. April 2009
Es ist erst Mitte April, aber es ist schon seit über einem Monat Wetter wie im Hochsommer. Im Stadtpark sind alle Bänke belegt, und auf dem Rasen liegen Menschen unter schattenspendenden Sonnenschirmen. Der Eisverkäufer hat Hochkonjunktur. Touristen freuen sich, und wechseln vom Pullover zum T-Shirt. Eine Einheimische setzt sich die Sonnenbrille auf und geht fröhlich durch den Park. „Irgendwie“, sagt sie, „hat der Klimawandel ja auch seine guten Seiten“.
Kein Zweifel – jeder genießt das sommerliche Wetter. Und keiner würde sich hier zum humorlosen Miesepeter hochstilisieren, indem er auf die empirisch belegten Risiken des Klimawandels verweist.
Der Blick in die Zeitung verrät, dass der Deutsche Wetterdienst es doch tut – und Recht hat damit.
„Der ansonsten für sein wechselhaftes Wetter bekannte Monat geht als bislang wärmster April aller Zeiten in die Annalen der flächendeckenden Wetteraufzeichnung ein“,
konstatieren die Metereologen trocken und berichten weiterhin:
„Der April 2009 trumpfte mit einzigartigen Spitzenwerten bei Temperatur, Sonnenscheindauer und gebietsweise auch mit Trockenheit auf. Er lag damit voll im Trend des Klimawandels, denn erst der April 2007 hatte hier neue, sensationelle Rekorde aufgestellt.“
Durchgedrehte Ökos, Alt-Linke, die wild gestikulierend apokalyptische Klimaszenarien vorbeten, genießen bei uns nicht die höchste Glaubwürdigkeit. Und man macht sich kaum Freunde, wenn man in ihre Kerbe schlägt und die Existenz des Klimawandels anmahnt. Und doch muss es sein.
Der Tagesspiegel, das ehrwürdige Berliner Kulturblatt, dem man wahrhaftig keine linke Hetzerei und Panikmache vorwerfen kann, formuliert heute:
„Während es anderswo absehbar ums Überleben gehen wird, steht für Deutschland eher die Frage nach der Lebensqualität im Vordergrund. „
Zweifellos richtig – uns geht es noch nicht unmittelbar an den Kragen. Doch auch das steht in Frage: Verfehlt Europa das gesteckte Ziel einer Erhöhung von maximal 2°C gegenüber dem vorindustriellen Niveau, so stellen sich auch für Entwicklungsländer markante Folgen ein. Experten warnen vor dem Verlust der Biodiversität, einem Anstieg des Meeresspiegels, einer Häufung von Wetterextremen – und im schlimmsten Fall dem Umkippen des Golfstromes. Damit könnte Nordeuropa schon in nur 40 Jahren zu einer lebensfeindlichen, kalten Gegend werden.
Doch das Problem muss – wie so häufig – in seiner globalen Dimension betrachtet werden. Selbst wenn es für uns in Europa gar nicht so einfach ist, verblasst das vor den jetzt schon existenten Klimawandel-Folgen:
„Durch den Meeresspiegelanstieg infolge des Klimawandels sind mit Tuvalu und Kiribati zwei Staaten akut vom Untergang bedroht. In Kiribati musste bereits knapp die Hälfte der Bevölkerung auf größere Inseln umgesiedelt werden. Aber auch in vielen anderen Staaten werden immer mehr Menschen zu Klimaflüchtlingen“,
so berichtet Brot für die Welt. Denn die Organisation hat erkannt: „Die Auswirkungen des Klimawandels stellen für viele Menschen im Süden eine existenzielle Bedrohung dar.“
Vielleicht ein Denkanstoß beim Eisgenuss. Obwohl: Weltweit wird so viel Geld für Eis ausgegeben, wie benötigt würde, um allen Menschen sauberes Trinkwasser bereitzustellen – 11 Milliarden US$.
Entry Filed under: Klimawandel, Kurzeintrag/Aktuelles. Schlagworte: globaler Wandel, Klimawandel, Temperatur.
1 Comment Add your own
Leave a Comment
Some HTML allowed:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <pre> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>
Trackback this post | Subscribe to the comments via RSS Feed



1.
greensocial | 15. Mai 2009 at 17:03
+++Breaking News+++
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace berichtet über wesentliche aktuelle Entwicklungen: Von der Weltöffentlichkeit weitgehend unbeachtet, brechen in der Südpolarregion ganze Eisschelfe auseinander – so schnell, dass wir es per Satellitenbild mitverfolgen können.
Das deckt sich mit dem, was wir hier im Blog bereits Ende letzten Jahres für dieses Jahr vermutet hatten.
Grund zur Freude ist das trotzdem nicht.