Im letzten Eintrag haben wir, wie das in solchen Diskussionen üblich ist, anklagend mit dem Zeigefinger auf die USA gezeigt: Die haben einen viiiiiiel höheren Energieverbrauch! Das stimmt so, und eine Ausrede Entschuldigung lässt sich dafür nur schwer finden. Scot Stevenson hat es trotzdem versucht und schreibt in seinem Blog über Deutsch-Amerikanische Missverständnisse:
“Die einzig sinnvolle Antwort [auf den höheren US-Energieverbrauch] lautet: well, duh, denn die Bedingungen sind anders. In Mitteleuropa würden Temperaturen wie in Minnesota oder Arizona als Klimakatastrophen eingestuft. Deutschland ist zwar eine große Nation mit großartigen Menschen, aber als Staat eher kompakt.
Schon allein wegen des Klimas und der Entfernungen verbrauchen die Amerikaner im Durchschnitt mehr Energie, und sie werden es bei vergleichbarer Lebensqualität auch immer tun. Selbst wenn die westliche Zivilisation morgen zusammenbrechen sollte, würden die Menschen in Minnesota mehr Brennholz verfeuern als in Hessen [...].”
Bei allem Respekt für einen wirklich schönen Blog (der hier nur als Beispiel dienen muss): Das ist leider in der Tat nur eine Ausrede. Zwar wird im Folgenden versucht, Kanada als sinnvollste Vergleichsmöglichkeit darzustellen (Fläche, Wohlstand, Wirtschaftsentwicklung). Aber ganz stimmig ist das nicht.
Zum einen könnten als Beispiel China oder Indien gewählt werden: Beides ebenfalls große Länder, mit florierender Industrie, vielen Einwohnern und verschiedenen Klimaten. Doch das ginge in die falsche Richtung - denn von beiden Ländern erwartet man, dass sie in nicht allzu ferner Zukunft an das hohe CO2-Niveau der westlichen Welt heranreichen werden.
Zum anderen ist ein bloßer Vergleich keine Begründung. Ja, mag sein, dass Kanada bei vergleichbaren Kennzahlen einen ähnlich hohen Treibhausgas-Ausstoß hat. Aber das darf nicht einfach hingenommen werden im Sinne eines “So ist das halt”. Denn hier kommt wieder die ethische Dimension zur Anwendung: Der US-Bürger, der mit seinem Straßenkreuzer über die Highways tuckert, trägt mit seinen Emissionen weiter zur globalen Erwärmung bei.
Doch bleiben wir rational: letzten Endes weiß man auch bei den “Kollegen” von “USA erklärt”:
“Damit soll nicht behauptet werden, die USA würden absolut gesehen nicht zu viel Energie verbrauchen. Die Effizienz von vielen Dingen ist (räusper) ausbaufähig.”
Und genau da können wir aufgreifen, wie ein Lösungsansatz aussehen könnte: Die westlichen (Industrie-)Staaten kommen den Entwicklungsländern entgegen und man trifft sich in der Mitte. Dabei können die Entwicklungsländer den Ansatz des Leapfrogging umsetzen, während die Industriestaaten entweder Umverteilung oder Hilfe über Marktmechanismen anwenden und gleichzeitig, z.B. durch Emissionszertifikate-Handel, einen finanziellen Ausgleich (”Klimarente”) schaffen. Dieser soll bereits verursachte Schäden kompensieren. Gleichzeitig müssen global Mechanismen installiert werden, die erneuerbare Energien fördern, Energieverbrauch senken, Effizienz erhöhen (3E).
Beim letzten G8-Gipfel hat genau das leider nicht so richtig geklappt. Weil die USA dagegen waren. Aber wer weiß, wie sich das entwickelt.
Schlagworte: Amerika, CO2, Energie, Energieverbrauch, G8, Klimarente, Klimawandel, Leapfrogging, Treibhausgas, USA, Wirtschaft