Weg vom Öl – Alternativen für die Zukunft

10. Juli 2008

“Weg vom Öl” – dass muss, wie wir in den vergangenen Einträgen festgestellt haben, die Devise sein. Sei es aus ökologischen, aus sozialen, aus moralischen, politischen, sicherheitsrelevanten oder ganz individuellen Gründen, eines ist klar:
Die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen (also neben Öl auch Kohle, Gas, Uran, etc.) treibt uns in die Krise. Ihre Verbrennung zum Zwecke der Energiegewinnung setzt so enorm viel Treibhausgase frei, führt zu sozialen Benachteiligungen, schürt eine geopolitische Instabilität, dass unsere “ölgeschmierte” Weltwirtschaft auf Dauer nicht mehr überlebensfähig ist.

Wissenschaftler und Publizisten werden in vielen Jahren möglicherweise in unseren Jahren den Trennstrich ansetzen – zwischen dem fossilen Zeitalter, und einer neuen Periode: dem solaren Zeitalter.
Wir haben in den vergangenen Posts ein pessimistisches Bild gezeichnet. Es wird schwer, uns schnell genug vom Öl zu lösen, bevor es zu einer “harten Landung” kommt – dem plötzlichen Versiegen des Öls, ein Zusammenbrechen der Weltwirtschaft, womöglich Unruhen oder Krieg.

Doch es gibt diese Möglichkeit. Sie manifestiert sich für uns heute hin und wieder als entfernte, abstrakte Technologie, die es noch zu erforschen gilt. Aber das Wichtigste ist: Wir haben bereits greifbare Alternativen, die unseren Planeten in eine Zukunft führen können, die nachhaltig für alle Gutes bietet.

Alternative Energieträger aus regenerativen – sprich, erneuerbaren – Quellen spielen da eine große Rolle. Sonne, Wind, Wasser, Strömung, Geothermie, Biomasse… Es gibt viele Wege, die man beschreiten kann. Atomenergie gehört nicht dazu – die aktuelle Debatte in Deutschland verwirrt.
Sonne hingegen liefert mehr Energie, als die Menschheit verbrauchen kann. Wärme macht uns gegenwärtig als Klimawandel eher Sorgen – aber auch sie ist eine (niedrige) Form der Energie. Wind, Strömung und Gezeiten; Geothermie, Biomasse. In jeder Region der Welt lässt sich regenerative Energie erfolgreich etablieren.
Mindestens aber muss es darum gehen, die drei Maxime der Umweltschützer und Ökonomen in diesem Bereich einzuhalten: Energie sparen, effizienter Verbrauch der Energie, lokale Produktion mit Kraft/Wärme-Kopplung (KWK). Damit wäre schon viel gewonnen – doch es widerspricht unserer momentanen Situation:
Energiekonzerne haben ein Interesse daran, möglichst viel ihrer “Ware” abzusetzen und sich als Hauptanbieter zu stabilisieren. Eine nennenswerte Verringerung des Verbrauchs würde ihre Position gefährden, eine Dezentralisierung der Erzeugung auch (wozu Stromkonzern, wenn jeder sein eigenes Kraftwerk hat?). Unsere Gesellschaft muss stark genug sein, um diese misslichen Umstände zu überwinden – dass trotz aller Kritik nur die Martkwirtschaft das leisten kann, muss klar sein.

Momentan sind wir noch in einer Situation, die trotz der gefährlichen Lage in politischen und Umweltfragen ein Umlenken gut möglich macht.
Gewiss, es erfordert geschlossenes, engagiertes Vorgehen, um die Folgen des Klimawandels abzumildern – denn ganz verhindern können wir ihn nicht mehr. Aber es ist schaffbar, global vereint. Scheitern wir jedoch daran, unsere Klimaschutzziele in naher Zukunft umzusetzen, wird uns der Klimawandel mit voller Wucht treffen: über 4°C Erwärmung gegenüber vorindustrieller Zeit, mindestens, sagt das IPCC. Meeresspiegelanstieg um 7 Meter, Verlust der Biodiversität: Das ganze Programm der Apokalypse-Szenarien von Umweltschützern.
Vor allem aber wird es dann wehtun: Wir werden auf gewohnte Annehmlichkeiten verzichten müssen (”Hannover Hafenstadt!”) – und zudem noch weitere Einschränkungen hinnehmen, um den Klimawandel zu begrenzen. Und das wird dann hart.

Aber bleiben wir bei der globalen Perspektive. Und zwar gilt es etwas zu beachten, was ebenso oft wiederholt wurde und wird wie obengenanntes Szenario – diejenigen, die am wenigsten zum Klimawandel beigetragen haben, leiden am meisten darunter. Entwicklungsländer, die Armen der Erde.
Hier spätestens beginnt die ethische Dimension der Frage; es geht um das Recht auf Entwicklung dieser Menschen.
In unserer Verantwortung steht es, ihnen eine Zukunft zu ermöglichen: Experten prägten den Begriff des “Leapfrogging”. Mit einem Sprung wie dem eines Frosches sollen die Entwicklungsländer mit modernen Technologien eine Entwicklung beginnen. Statt zunächst mit simplen – umweltverschmutzenden! – Technologien bekommen sie von den Industriestaaten moderne, umweltfreundliche, Technologie. Damit überspringen sie die gesamte Entwicklungsphase und bekommen Chancen in der Weltpolitik. Hier prallt der Ansatz der Umverteilung auf den der Marktliberalisierung.

Doch zugleich entscheidet sich in der Lösung von Klimafrage und sozialem Ungleichgewicht die Zukunft unseres Planeten. Nicht mehr, und nicht weniger.
Darum geht es hier demnächst.

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3 Comments Add your own

  • 1. globale Ungerechtigkeit u&hellip  |  15. Juli 2008 at 21:35

    [...] « Weg vom Öl – Alternativen für die Zukunft [...]

  • 2. Energieverbrauch der USA &hellip  |  19. Juli 2008 at 15:31

    [...] entgegen und man trifft sich in der Mitte. Dabei können die Entwicklungsländer den Ansatz des Leapfrogging umsetzen, während die Industriestaaten entweder Umverteilung oder Hilfe über Marktmechanismen [...]

  • 3. Machtpolitik im Kaukasus &hellip  |  14. August 2008 at 12:33

    [...] Was kommt nach dem Öl? Alternativen für die Zukunft (green.social) [...]

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